Stele für die ermordeten Sinti und Roma in Merseburg zum fünften Mal geschändet

Die nunmehr fünfte Schändung der Gedenkstele für die ermordeten Sinti und Roma aus Merseburg wird vom Landtagsabgeordneten Sebastian Striegel mit großer Bestürzung aufgenommen. Striegel sicherte der Merseburger Geschichtswerkstatt seine Solidarität und ggf. auch konkrete Unterstützung zur Reparatur der Stele zu. Striegel: „Ich bin entsetzt, dass der Gedenkort für die ermordeten Sinti und Roma in Merseburg ein fünftes Mal angegriffen und mit nationalsozialistischen Symbolen beschmiert wurde. Diese politisch motivierte Sachbeschädigung zeigt die anhaltende Bedrohung für Demokratie und friedliches Zusammenleben durch Neonazis in Merseburg und im Saalekreis.“

Striegel zeigte sich irritiert, dass trotz Videoaufzeichnung die Polizei bislang keine Hinweise zu den Tätern hat: „Die Stele wird aktuell dauerhaft durch eine Videoübertragung ins Polizeirevier Saalekreis überwacht. Warum zwischen der Tat, die kurz vor Mitternacht passierte, und dem Eintreffen von Beamten an der Stele knapp zwei Stunden vergingen, wirft für mich Fragen auf. Was hat Merseburger Polizisten davon abgehalten, eher an den Tatort zu eilen? Eine erfolgreiche Nahbereichsfahndung nach den Tätern ist mit einem so großen zeitlichen Abstand nicht mehr möglich. Die lange Reaktionszeit stellt auch die grundsätzliche Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Videoüberwachung.“ Bereits in der Vergangenheit hatte Striegel gesagt, dass Überzeugungstäter sich auch durch Kameras nicht abschrecken lassen würden.

„Die Tat zeigt einmal mehr, dass Neonazis in Merseburg präsent sind. Mit ihren Taten bedrohen sie die Demokratie. Wo heute mit Sachbeschädigungen das Andenken an von Nationalsozialisten ermordete MerseburgerInnen geschändet wird, gibt es morgen wieder Angriffe auf Menschen, die nicht in das krude Weltbild der Neonazis passen. In Merseburg müssen deshalb die Anstrengungen zur Stärkung der Demokratie verstärkt werden. Ich rufe an dieser Stelle noch einmal die Merseburger Stadtverwaltung auf, endlich konkrete Schritte zu gehen, um alternativen Jugendlichen in der Stadt einen Ort zur Verfügung zu stellen, an dem Demokratie gelebt werden kann. Wer Nazis zurückdrängen will, muss alternative Jugendkulturen stärken!“, so Striegel abschließend.

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