Die Gesellschaft hat versagt

Zur Geschäftsaufgabe des türkischen Imbiss „Grillhaus“ in Mücheln nach einem rassistischen Angriff äußert sich der aus dem Saalekreis stammende bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel:

„Es macht mich traurig und betroffen, dass die Betreiber des „Grillhaus“ in Mücheln ihr Geschäft aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben müssen.  Nach dem rassistischen Überfall auf den Imbiss im Februar waren die Umsätze der Geschäftsleute immer weiter zurückgegangen, so dass ihnen offenbar keine andere Wahl blieb, als sich von Ihrem Traum von der Selbständigkeit im Saalekreis zu verabschieden. Auch die Zeichen gelebter Solidarität, z.B. durch Spenden, haben diesen Zustand nicht nachhaltig verändern können.

Dabei zeigt sich einmal mehr, dass die Gesellschaft im Kampf gegen Rassismus und neonazistisches Gedankengut couragierter auftreten muss. Wenn das Resultat des rassistischen Übergriffs vom Februar die Zerstörung der wirtschaftlichen Existenz von Menschen ist, dann hat die Gesellschaft einmal mehr versagt. Ein Blick auf den rassistischen Überfall, die Vorgehensweise der Polizei, und die missglückte Kommunikation des Vorfalls zeigen: Das Problem heißt nicht Mücheln. Es heißt Rassismus. Und es ist die Aufgabe der Gesellschaft sich diesem Problem zu stellen und ihm entgegen zu treten.

Der Saalekreis braucht Zuwanderung, er braucht Menschen unterschiedlichster Herkünfte, die in der Region eine wirtschaftliche Betätigung wagen. Nur ein internationaler Landkreis, in dem multinationale Unternehmen und Selbständige unterschiedlichster Herkunft tätig sind, wird auf Dauer wirtschaftlich erfolgreich sein.“

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