Offener Brief an Wohnungsgenossenschaft Wolfen

Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld hat sich entschieden Flüchtlinge nach Möglichkeit dezentral in Wohnung unterzubringen. Die großen Wohnungsgesellschaften spielen dabei eine zentrale Rolle, denn sie vermieten ihre Wohnungen an die Flüchtlinge und Asylsuchenden. Die Wohnungsgenossenschaft Wolfen weigert sich allerdings, wie die Mitteldeutsche Zeitung am 2. Juli schrieb,  Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten, das ist unverständlich. Deshalb habe ich einen offenen Brief an den Vorstand der WG Wolfen geschrieben.

Sehr geehrte Frau Barth, sehr geehrter Herr Schneider,

mit großem Befremden habe ich von der Weigerung der Wohnungsgenossenschaft Wolfen e.G. erfahren, Wohnungen auch an Flüchtlinge zu vermieten, also an Menschen, die dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld zur Unterbringung zugewiesen worden sind.

Ihre Wohnungsgenossenschaft gehört zu den größten im Landkreis. Rund 6 000 Wohneinheiten befinden sich in Wolfen-Nord, in Wolfen-Krondorf, in Sandersdorf und in der Bitterfelder Anhaltsiedlung in Ihrem Besitz. Eigentum verpflichtet. Sie stehen damit in der im Grundgesetz formulierten Pflicht, Ihr Eigentum dem Allgemeinwohl dienlich zu machen. Gerade eine Genossenschaft trägt soziale und gesellschaftliche Verantwortung und auch Asylsuchende sind Teil der Gesellschaft! Daraus ergibt sich für Sie die Pflicht, das Menschenrecht auf Wohnung für alle Menschen zu sichern. Eine Verweigerung mit Verweis auf den aufenthaltsrechtlichen Status, die Herkunft der Asylbewerberinnen und -bewerber oder andere, wäre nichts anderes als Rassismus.

Geflüchtete, die häufig aufgrund von Krieg und gewalttätigen Auseinandersetzungen in ihren Heimatländern, wegen Verfolgung, Folter, Unterdrückung oder aus bitterster Armut den Weg nach Europa und in die Bundesrepublik Deutschland finden, brauchen unsere Solidarität und Unterstützung. Schon im Asylverfahren muss ihre Integration und ihre Teilhabe an Gesellschaft gesichert werden. Die deutsche Asylgesetzgebung tut derzeit zu wenig, diese Integration z.B. durch Sprachkurse, verpflichtende dezentrale Unterbringung usw. zu unterstützen.

Umso wichtiger sind Initiativen, wie die des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, Asylbewerberinnen und -bewerber möglichst frühzeitig in Wohnungen unterzubringen. Nur wenn Geflüchtete mitten unter uns wohnen, kann Zusammenleben gelingen. Eine zentrale Unterbringung leistet immer Ghettoisierung Vorschub und verhindert Integration.

Ich appelliere an Sie als Verantwortliche der Wohnungsgenossenschaft Wolfen, jedem Menschen eine Wohnung anzubieten. Machen Sie Integration möglich, vermieten Sie auch an Asylbewerberinnen und Asylbewerber bzw. stellen auch Sie dem Landkreis Wohnungen zur Unterbringung zur Verfügung!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Sebastian Striegel

 

Verwandte Artikel