Solidarische Hilfe für Geflüchtete im Grün.Lokal

Seit Herbst vergangenen Jahres gibt der Saalekreis vermehrt Gutscheine statt Bargeld an Geflüchtete aus. Die Vergabe von Gutscheinen wird als Sanktionsmaßnahme gegen Geflüchtete eingesetzt und liegt in Summe unter dem Existenzminimum. Damit wird Geflüchteten in der Duldung ihre Lebensperspektive genommen. Die Betroffenen erleben eine erhebliche Einschränkung ihrer Grundrechte. So können sie aufgrund des Mangels an Bargeld z.B. ihre Anwaltskosten, Fahrtkarten oder Telefonkosten nicht mehr bezahlen. Die von diesen Maßnahmen Betroffenen fühlen sich stigmatisiert, ausgeschlossen und eines selbstbestimmten Lebens beraubt.

In Merseburg hat sich deshalb ein Tauschring etabliert, um solidarisch geflüchtete Menschen zu unterstützen. Bürgerinnen und Bürger tauschen Bargeld gegen Gutscheine ein und unterstützen damit Geflüchtete.

Im Grün.Lokal, dem Regionalbüro des Landtagsabgeordneten Sebastian Striegel in Merseburg vermitteln wir den Kontakt zwischen Geflüchteten und Menschen, die sich mit ihnen solidarisch zeigen. Im Rahmen eines gemeinsamen Einkaufs können Lebensmittel erworben und die Gutscheine eingelöst werden.

Sebastian Striegel, Landtagsabgeordneter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: „Ich beteilige mich am Tauschring durch die Vermittlung von Terminen, weil ich überzeugt bin, dass die Stigmatisierung und Ausgrenzung von Geflüchteten falsch ist. Kein Mensch flieht ohne Grund und ich trete dafür ein, dass wir Geflüchteten eine Perspektive bieten, statt sie systematisch auszugrenzen. Es kann nicht sein, dass Menschen nicht mehr telefonieren können, weil ihnen das nötige Bargeld dafür fehlt; es kann nicht sein, dass Schwarzfahrten im Öffentlichen Nahverkehr provoziert werden, weil Betroffene kein Geld für Fahrkarten haben.

Mit den gesetzlichen Regelungen zum Aushändigen von Gutscheinen hat die schwarz-rote Bundesregierung ein Bürokratiemonster geschaffen, das die Integration und Teilhabe von Geflüchteten unmöglich macht.

Die diskriminierende Praxis der Gutscheinausgabe im Saalekreis muss beendet werden. Wir setzen ihr ein Stück Menschlichkeit und Begegnung zwischen Geflüchteten und schon länger im Saalekreis lebenden Menschen entgegen.“

Wie funktioniert der Umtausch?

Teilnehmer*innen melden Ihre Bereitschaft zum gemeinsamen Einkauf mit Gutscheininhaber*innen im GRÜN.Lokal. Hier erfolgt eine Terminkoordination zum gemeinsamen Einkauf mit den Geflüchteten. Die Gutscheine der Betroffenen sind jeweils ein bis zwei Wochen gültig. In dieser Zeit und können sie bei einem gemeinsamen Einkauf im Saalekreis und in Halle bei den teilnehmenden Geschäften eingelöst werden. Zu beachten ist, dass die Gutscheine von der*dem Einkaufenden unterschrieben werden müssen, da an der Kasse nach dem Ausweis gefragt werden kann.

Mit den Gutscheinen kann folgendes eingekauft werden: Lebensmittel, Putz- und Hygieneartikel, Bekleidung, Schuhe und Hausrat. Nicht erlaubt sind Tickets, Alkohol, Tabak, Telefonkarten, Guthaben, Kleidung außerhalb der Läden, etc.

Es ist möglich, nur einen Teil des Einkaufs mit „Gutscheinen“ zu bezahlen und den Rest bar. Wer nur mit Gutschein bezahlen möchte, sollte möglichst genau für die Summe einkaufen, die auf dem Gutschein angegeben ist, da höchstens 10 Prozent des Gutscheinwerts als Rückgeld ausgezahlt werden. Bei einem 10-Euro-Gutschein ist demnach Rückgeld nur bis maximal ein Euro möglich.

Im Anschluss kann über die erworbenen Produkte durch den/die Gutscheininhaber*in frei verfügt werden, so können diese selbstverständlich auch getauscht werden.

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